Empfehlungen zur Therapie der Influenza (Tabelle 1)

Die Neuraminidase-Hemmer Oseltamivir und Zanamivir sind zur Behandlung der Influenza A und B indiziert, wenn bei Patienten klinisch die Diagnose einer Influenza gestellt wird und in der Region Influenzaviren zirkulieren oder Influenzaviren labordiagnostisch nachgewiesen werden und der Krankheitsbeginn nicht länger als 48 h zurückliegt. Der Behandlungserfolg ist um so besser je früher mit der Therapie begonnen wird. Daher sind die Patienten darauf hinzuweisen, dass sie beim Auftreten entsprechender Symptome sofort einen Arzt aufsuchen sollten. Die empfohlenen Medikamente sind in der Tabelle 1 aufgelistet.

 

Tabelle 1: Empfohlene antivirale  Medikamente zur Therapie der Influenza

 


Virostatikum


Anwendung


Dosis


Anmerkungen


Influenza A und B
   (Reihenfolge der Präparate nach dem Zeitpunkt ihrer Zulassung)


Zanamivir
(Pulver zur Inhalation)


Ab 12 Jahre*


2mal tägl. 10mg
über 5 Tage


Bei Dauertherapie über 5 Tage mit inhalativen Broncho-dilatatoren sollten diese vor dem Virostatikum angewendet werden.(siehe  auch Fachinfo !)


Oseltamivir

(Kapseln, Suspension)


ab 1 Jahr


2mal tägl. 75mg
über 5 Tage
Kinder
£ 40 kg

nach Körperge-
wicht** über 5 Tage


Dosisanpassung bei Kreatinin- Clearance 10-30 mL/min auf 1mal
(Siehe auch Fachinfo!)


Nur Influenza A

Amantadin
(Tabletten, Sirup)

1-9 Jahre

 

 

 


10-64 Jahre

ab 65 Jahre

2mal tägl.
2,5 mg/kg

maximal
150mg/Tag
über 7 Tage
2mal tägl. 100mg
über 7 Tage

1mal tägl. 100mg
über 7 Tage

Nur bei Influenza A wirksam!

Gegenanzeigen: Herzinsuffizienz u.a.

Nebenwirkungen beachten!

Dosisreduzierung bei ein- geschränkter Nierenfunktion. Schnelle Resistenzentwicklung !

(siehe auch Fachinfo!)

 

 

* Nach Empfehlungen der Konsensuskonferenz Anwendung bei Personen ab 5 Jahren in der Dosierung 2mal tägl. 10 mg.

 

** 2 x 2 mg/kgKG/Tag oder 1-3 Jahre: 2 x 30 mg/Tag, 4-7 Jahre: 2 x 45 mg/Tag, 8-12 Jahre: 2 x 60 mg/Tag (DGPI-Handbuch, 4. Auflage, 2003)

 

 

Während einer Influenzawelle sollte im Sinne eines sparsamen Ressourcenverbrauchs und des unverzüglichen Therapiebeginns die Diagnose anhand der klinischen Befunde in Verbindung mit Surveillance-Daten (regionale Meldung von Frühwarnsystemen: www.rki.de/INFEKT/AGI/AG_INFLUENZA.HTM ; http://www.grippe-online.de; Tagespresse u.a.) gestellt werden.

Während einer Epidemie sprechen mit hoher Wahrscheinlichkeit (80%) für eine  Influenza :

·        schlagartiges Auftreten von Fieber oder/und schwerem Krankheitsgefühl

·        sowie mindestens zwei der folgenden Symptome:

- Gliederschmerzen,

- Kopfschmerzen,

-  Husten

 - Abgeschlagenheit

Bei älteren Patienten sind atypische Verläufe möglich. Schulkindern zeigen einen Verlauf der Influenza wie Erwachsene. Bei Säuglingen und Kleinkindern können neben der Beteiligung der Atemwege gastrointestinale Symptome im Vordergrund stehen. In Zeiten geringer Influenzaaktivität  und bei unklarer klinischer Symptomatik ist die labordiagnostische Bestätigung, z.B. durch einen Schnelltest, erforderlich.

Indiziert ist die antivirale Therapie insbesondere bei Risikopatienten (Patienten mit chronischen Grundkrankheiten, wie Lungen-, Herz-, Leber- und Nierenerkrankungen, Diabetes mellitus) und bei älteren Menschen sowie  bei Kindern und Erwachsenen mit Kontakt zu Risikopatienten. Trotz der derzeit noch unzureichenden Datenlage ist es sinnvoll, auch immunsupprimierte Patienten (z.B. HIV-Infizierte, Tumorpatienten, Patienten unter Chemotherapie, Dialysepatienten) antiviral zu behandeln.

Nicht antiviral behandelt werden sollten immunkompetente Patienten mit nichtfieberhaften Erkrankungen oder  Patienten,  bei denen der Beginn der klinischen Symptomatik länger als 2 Tage zurückliegt...

 

Amantadin ist durch die Beschränkung der Wirkung auf den Typ A des Influenzavirus, die schnelle Resistenzentwicklung und die nicht unerheblichen Nebenwirkungen keine Alternative zu den beiden Neuraminidase-Hemmern. Amantadin sollte nur dann angewendet werden, wenn die Influenza A labordiagnostisch nachgewiesen worden ist.