Viruswirksame Desinfektion !?! ein weiterhin drängendes Thema !

 

Nach einer amerikanischen Studie sind ca. 2 - 10% aller Hospitalinfektionen viral bedingt und führen bei den betroffenen Patienten  zu einer ca. 10 Tage längeren Liegedauer im Krankenhaus (Wright SA & Bieluch VM: Selected nosocomial viral infections. Heart Lung 22: 183-187, 1993). Diese Zahlen verdeutlichen die erhebliche gesundheitspolitische Relevanz und die wirtschaftlichen Folgen nosokomialer Virusinfektionen. Zu deren Verhütung bzw. zur Unterbrechung von entsprechenden Infektketten ist die Verwendung von viruswirksamen Desinfektionsmitteln von größter Bedeutung.

Doch welche Desinfektionsmittel sind hierfür geeignet?

Auf Grund der enormen biologischen Unterschiede zwischen Viren und Bakterien, sind bakterizid wirksame Desinfektionsmittel nicht zwangsläufig auch wirksam gegenüber Viren. Und selbst innerhalb der Viren zeigt sich eine beträchtliche Variablität bezüglich deren Stabilität (i.d.R. sind Viren mit Hülle, z.B. Herpesviren oder  HIV leichter zu desinfizieren, als unbehüllte Viren, wie z.B. Rotaviren). Als Beispiel sei eine anhaltende Rotavirus-Epidemie auf einer pädiatrischen Station erwähnt, die trotz ausgedehnter Desinfektionsmaßnahmen nicht gestoppt werden konnte. Hierfür eingesetzt wurde ein nicht zertifiziertes Desinfektionsmittel auf der Basis von quartären Ammoniumverbindungen. Erst nach Verwendung eines aldehydischen Desinfektionsmittels, das auch gegen nicht behüllte Enteroviren als wirksam getestet war, konnte die Epidemie gestoppt werden (Thraenhart O: Desinfektion, Sterilisation in „Medizinische Virologie“ (ed: Doerr, Gerlich; Thieme-Verlag, 2002). Das Beispiel verdeutlicht, warum chemische Desinfektionsmittel auf ihre Wirksamkeit gegenüber Viren entsprechend der Richtlinie der DVV und des RKI experimentell zu überprüfen und zu zertifizieren sind. Diese Richtlinie beschreibt, dass durch das Desinfektionsmittel die Virusmenge der einzusetzenden „Modell“-Viren, die unterschiedliche biochemisch, physikalische Eigenschaften aufweisen, in einem definierten Zeitintervall um mindestens 4 log-Stufen reduziert werden muß.

 

Um möglichst einheitliche Testvoraussetzungen zu gewährleisten, hat der Fachausschuss „Virusdesinfektion“ der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten e. V. (DVV) die Etablierung einer dezentralen Virusstamm-Sammlung speziell zur Viruzidietestung iniziiert. Hierdurch soll gleichzeitig verhindert werden, daß durch die Verwendung unterschiedlicher Virusstämme und –isolate divergente Testergebnisse erzeugt werden.

Eine Liste von Institutionen, die qualifizierte Testungen nach anerkannten Prüfmethoden zur Virusdesinfektion durchführen, ist unter dem Stichwort „Liste der Laboratorien, die Viruzidie-Tests entsprechend der DVV/RKI-Richtlinie durchführen“ einzusehen.

Institutionen und Labore, die Viruzidietestungen entsprechend den Richtlinien der DVV und des RKI experimentell durchführen, sind eingeladen sich in diesen Listen registrieren zu lassen.