Fachausschuss
„Virusinfektion und Schwangerschaft“
Vorsitzende: Susanne Modrow (Regensburg)
Stellvertretende Vorsitzende: Barbara Gärtner (Homburg)
Mitglieder: Martin Enders (Stuttgart)
Klaus Friese/Ioannis Mylonas (München)
Annette Mankertz (Berlin)
Herrmann Schätzl (München)
Markus Knuf (Mainz)
N.N.
Peter Wutzler (Präsident DVV e.V.)
Heinz Zeichhardt (stellvertr. Präsident DVV e.V.)
Renate Klein (Saarbrücken, beratend)
Marc Müller
(Homburg, beratend)
Arbeitsziele
· Gründung eines Kompetenzzentrums „Virusinfektion und Schwangerschaft“
· Durchführung von epidemiologischen Studien zur Bestimmung des Infektionsrisikos für Schwangere
· Durchführung von epidemiologischen Studien zur Bestimmung der Antikörperprävalenz impfpräventabler und nicht impfpräventabler Infektionserreger bzw. der realen Exposition von Schwangeren und Neugeborenen
· Empfehlungen zum Umgang von Schwangeren mit akut infiziertem medizinischen Personal
· Empfehlungen zum Umgang von Schwangeren mit beruflich bedingter Exposition zu infizierten Personen (Kinder, Patienten etc)
1. Parvovirus B19 (erledigt, siehe Homepage DVV e.V.)
2. Cytomegalie
3. Impfpräventable Virusinfektionen (In Vorbereitung)
Treffen des Fachausschusses
Die erste und konstituierende Sitzung fand am 1. Dezember 2006 in Homburg/Saar statt, die nächste Sitzung ist für 10. Januar 2008 in Berlin vorgesehen. Dazwischen fanden abhängig von aktuellen Diskussionen Treffen von Untergruppen des Fachausschusses statt.
Tätigkeiten und Aktivitäten, 2007
Dieses Konzept wurde
in mehreren Besprechungen zusammen mit den Vertretern des RKI in
Berlin,
Vertretern des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt, Gesundheit
und Verbraucherschutz, der DFG diskutiert.
Kurzbeschreibung:
Die Gesundheitslage einer Bevölkerung wird maßgeblich von der Häufigkeit von Infektionen und den damit verbundenen Erkrankungen bestimmt. Die Suszeptibilität Erwachsener in jungem und mittlerem Lebensalter für Infektionen ist abhängig vom Immunschutz, der durch Impfungen oder Wildinfektionen erworben wird. Sich verändernde Lebensbedingungen beeinflussen diese Werte nachhaltig. Da der Nestschutz Neugeborener in den ersten Lebensmonaten auf mütterlichen Antikörpern basiert, die während der Schwangerschaft in den fetalen Kreislauf übertragen werden, bestimmt der Immunschutz der Frauen auch die Abwehrlage der Säuglinge. Daten zur Seroprävalenz, welche die aktuelle epidemiologische Lage berücksichtigen, liegen in unzureichendem Maße vor. Das augenblickliche Infektionsrisiko für Schwangere und Neugeborene ist deshalb schwer einschätzbar. In dem beantragten Projekt sollen Immunschutz, Seroprävalenz und Häufigkeit von impfpräventablen (Masern, Mumps, Röteln, Windpocken, Hepatitis B, Keuchhusten, Diphtherie) wie nicht impfpräventablen Infektionen (Ringelröteln, Cytomegalie, Herpes-simplex, Hepatitis C, AIDS, Chlamydia trachomatis, Toxoplasmose) bei Schwangeren und Neugeborenen in Bayern bestimmt werden. Hierzu werden im Verlauf eines Jahres zeitgleich bei der Geburt gewonnene Proben des Nabelschnurbluts von Neugeborenen, Blutproben ihrer Mütter sowie Abstriche der Cervix auf das Vorhandensein von verschiedenen Infektionserregern sowie von gegen diese gerichtete Antikörper analysiert. Die Größe und die Zusammensetzung der untersuchten Kohorte – angestrebt wird die Untersuchung von ca 20.000 Gebärenden und Neugeborenen - sind repräsentativ für die Bevölkerung in Bayern als Beispielbundesland, um statistisch gesicherte und belastbare Daten zu erheben. Neben Gebärenden in den Universitätskliniken Bayerns sollen entsprechend ihrer prozentualen Beteiligung an Geburten auch diejenigen größerer städtischer Krankenhäuser und Geburtskliniken in den verschiedenen Regionen einbezogen werden.
Die Studie soll über Bayern hinaus als Grundlage für die möglicherweise vorzunehmende Anpassung von Impfempfehlungen und Risikoabschätzungen in der Gesetzgebung dienen. Sie soll der Beantwortung folgender Fragen dienen:
1. Wie viele der Schwangeren weisen Antikörper gegen impfpräventable wie nicht impfpräventable Infektionserkrankungen auf?
2. Bei wie vielen der Neugeborenen sind zum Zeitpunkt der Geburt Antikörper gegen die genannten Infektionserreger vorhanden, in wie weit korreliert der Antikörperstatus von Mutter und Neugeborenen?
3. Wie viele der Frühgeborenen sind akut mit den Erregern (überwiegend der TORCH-Gruppe) infiziert? Ist ihre Zahl unterschiedlich, verglichen mit fristgerecht Geborenen?
Die Studie ist von der Ethikkommission der Universität Regensburg unter Aktenzeichen 07/150 genehmigt. Eine Machbarkeitsstudie zur Evaluierung der vorgesehenen Testsysteme läuft (finanziert vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit, Verbraucherschutz sowie der DVV e.V.).
Die Durchführung der eigentlichen Studie ist von 07/2008-06/2009 geplant.
3. Stellungnahmen
Stellungnahme zur Parvovirus B19-Infektion bei beruflich exponierten Schwangeren (siehe nachfolgend ad hoc FA „Parvovirus B19“)
Stellungnahme zum Umgang mit impfpräventablen Virusinfektionen bei Untersuchungen im Rahmen arbeits- und mutterschutzrechtlicher Vorschriften (in Vorbereitung, voraussichtlich Januar 2008)
Veröffentlichungen des Fachausschusses (zur Thematik Virusinfektion und Schwangerschaft)
1. Modrow, S., Gärtner, B. (2006) Parvovirus B19-Infektion in der Schwangerschaft. Deutsches Ärtzeblatt, 103(43), A2869-2876.
2. Modrow S., Gärtner B. (2006) Die Parvovirus B19-Infektion – Ein vielschichtiges Problem in der Schwangerschaft. In: Virale Infektionen und Infektionsschutz in der Schwangerschaft. Tagungsband zur Jahrestagung der DVV e:V. Eds Windorfer A., Wutzler P., 8-20.
3. Modrow, S., Gärtner, B. (2007) Diskussionsbeitrag zu “Parvovirus B19-Infektion in der Schwangerschaft“. Deutsches Ärzteblatt, 104(29), A1410-1411.
4. Gärtner, B., Enders, M., Luft-Duchow, C., Bocharov, G., Modrow, S. (2007) Parvovirus B19-Infektionen bei Schwangeren in der Kinderbetreuung. Gesundheitsökonomische Analyse eines Beschäftigungsverbots. Bundesgesundheitsblatt, 50, 1369-1378.
5. Enders M, Weidner A, Enders G. (2007) Current epidemiological aspects of human parvovirus B19 infection during pregnancy and childhood in the western part of Germany. Epidemiol Infect. 135:563-9.
6. Röhrer, C., Gärtner, B., Sauerbrei, A., Böhm, S., Hottenträger, B., Raab, U., Thierfelder, W., Wutzler, P., Modrow, S. Seroprevalence of parvovirus B19 in the German population. Epidemiol. Infect., 2008 Jan 16;:1-12 [Epub ahead of print]
Ad hoc - FA „Parvovirus B19“
(von 04/2005 bis 12/2006)
Prof. Modrow, Regensburg - Vorsitzende
Prof. Gärtner, Homburg, Saar - Stellvertretende Vorsitzende
Prof. Windorfer, Hannover
Prof. Zeichhardt, Berlin
Prof. Hoyme, Erfurt
Dr. Enders, Stuttgart
Prof. Wutzler, Jena
Anliegen des Fachausschusses
Der Fachausschuss zur Parvovirus B19-Infektion wurde eingerichtet, um die mit dieser Infektion verbundenen Probleme zu klären, die im Laufe des vergangenen Jahres in Verbindung mit den gültigen Arbeits- und Mutterschutzgesetzen sowie der Biostoffverordnung gehäuft aufgetreten sind. Dies betrifft vor allem:
I. die Tätigkeit schwangerer seronegativer Frauen in Kinderbetreuungseinrichtungen und Grundschulen
II. die aufgrund der Biostoffverordnung verpflichtenden arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen zur Erhebung des Antikörperstatus, u.a. Parvovirus B19
III. das Beschäftigungsverbot während der gesamten Schwangerschaft, das Parvovirus B19-seronegative Frauen betrifft, soweit sie Umgang mit Kindern im Alter unter 10 Jahren haben
IV. die in den verschiedenen Bundesländern noch unterschiedlich gehandhabte Umsetzung der Vorschriften und die damit verbundenen Folgen
V. die sich aus den gesetzlichen Vorschriften ergebene Weigerung der Arbeitgeber, seronegative Frauen einzustellen
VI. die Gefahr, dass die Regelungen auf Frauen in anderen Berufsfeldern (Medizin, Klinik, Krankenversorgung etc) ausgedehnt werden.
ACHTUNG:
Die Stellungnahmen und Empfehlungen zur Parvovirus B19-Inektion beruhen auf einer wissenschaftlich fundierten Grundlage und Einschätzung. Das Mutterschutzgesetz schreibt ein „Null-Risiko“ am Arbeitsplatz vor. Angesichts der Tatsache, dass bei einem zeitlich befristeten Beschäftigungsverbot für seronegative Schwangere beschränkt den Zeitraum, während dessen Parvovirus B19-Infektionen in einer Kinderbetreuungseinrichtung auftreten, dieses „Null-Risiko“ nicht erfüllt werden kann, ist die Stellungnahme mit den derzeit gültigen Gesetzen nicht kompatibel. Daher empfehlen die für den Mutterschutz zuständigen Bund-Länder-Kommissionen ein generelles, zeitlich auf die ersten 20 Schwangerschaftswochen befristetes Beschäftigungsverbot für seroneagtive Schwangere mit beruflichen Kontakten zu Kindern unter sechs Jahren.
Seroprevalence of parvovirus B19 in the German population
Parvovirus-B19-Infektionen bei Schwangeren in der Kinderbetreuung
Gesundheitsökonomische Analyse eines Beschäftigungsverbots
B. Gärtner1 · M. Enders2 · C. Luft-Duchow3 · G. Bocharov4 · S. Modorow5
1 Universitätsklinikum Homburg/Saar, BRD · 2 Labor Prof. Enders, Stuttgart, BRD ·
3
Saarbrücken, BRD · 4
Russian Academy of Science, Moskau, RUS · 5
Universität Regensburg
Parvovirus-B19-Infektion in
der Schwangerschaft